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Historischer Grenzweg in Hornbach von Werner Helmke

LöhrbacherHöheEin Herbstspaziergang auf der Löhrbacher Höhe – wer würde schon daran denken, dass man hier auf einem alten und hochbedeutenden Grenzweg wandert. Der Weg hat einmal zwei Kurfürstentümer über Jahrhunderte getrennt, Kurpfalz und Kurmainz. Georg Frohna aus Hornbach hat bei seiner Erkundung der eigenen Heimat im Rahmen seiner Ausbildung als Geopark-Führer nicht nur den Grenzweg wiederentdeckt, er fand auch heraus, dass entlang der Höhe die alten Grenzsteine unverändert an ihrem Platz stehen, seit 250 Jahren, nur einen Schritt in den Wald hinein.

Auf unseren historischen Karten sehen wir den deutschen Flickenteppich, wie er bis 1806 bestand, aber hier ist er immer noch in der Natur zu entdecken. Die Kurpfalz, das war Hornbach, Reisen, Mumbach nördlich, Kurmainz, das war Birkenau, Löhrbach, Mackenheim, Abtsteinach südlich. Birkenau ist vertreten durch ein H, es kennzeichnet den Bereich der Ortsherrschaft der Wambolt. Das H mag aus einer Zeit stammen, als ein Hans Wambolt und ein Hans Landschad sich die Herrschaft Birkenau teilten. Es gibt einen Grenzstein mit einem HW und HL.

Aber sonst sind die wittelsbachischen Rauten und das Mainzer Rad vor allem da. Diese Grenzsteine wurden alle in den siebzehnhundertvierziger Jahren gesetzt. Es gibt eine Hornbacher Gemarkungskarte von 1746. Vielleicht hängt beides zusammen, denn 1749 hat die Kanzlei in Heidelberg Hornbach dem Amt Lindenfels unterstellt. Hornbach war zu der Zeit ein pfälzisches Lehen, das dem Leiter der Kammerkanzlei in Heidelberg, dem Freiherrn von Hundheim zur Ausstattung übergeben war. Die Hundheims waren mit den neuen katholischen Herren aus Düsseldorf nach Heidelberg gekommen, hatten dort das noble Haus am Karlsplatz gebaut (heute Akademie der Wissenschaften), aber dann war bald das Schicksal der Familie unglücklich, das Haus am Karlsplatz wurde verkauft, das Lehen Hornbach anscheinend direkt wieder dem Amtmann in Lindenfels unterstellt.

Grenzstein

Da geht man auf einem schönen Höhenweg, die Höhe des Stenges im Blick, und wird eingesponnen in die heimatliche Geschichte. Vermutlich wird es noch viel mehr zu erzählen geben, denn das Verhältnis der beiden Anrainer an dem Weg, der reformierten Pfalz und des katholischen Mainz, war bekanntermaßen schlecht.

Um  eine externe Stellungnahme zur Wertigkeit der  Wegstrecke mit mehr als  20 Grenzsteinen  einzuholen, wurde das Landesamt für Denkmalpflege um Mithilfe gebeten. Die Herren Dr. Griesbach-Maisant und Dr. Fritzsche von der Denkmalfachbehörde in Wiesbaden haben sich vor Ort umgesehen und die uralten Flurdenkmäler wegen ihrer hohen historischen Bedeutung sowie ihres guten Erhaltungsgrades umgehend in das Manuskript der Denkmaltopographie des Kreises Bergstraße/Vorderer Odenwald (Kreis Bergstraße II) aufgenommen. Der Höhenweg vom Reisacker durch den Stenges gilt mit seiner Grenzsteinreihe somit als Kulturdenkmal, das in seinem naturräumlichen Bestand vom Land Hessen gesetzlich geschützt ist.

Artikel mit freundlicher Genehmigung des Autors Werner Helmke veröffentlicht.

Hinweis: Die Grenzsteine stehen in unmittelbarer Nähe des geplanten Windparks sind also evtl. von den notwendigen Baumaßnahmen direkt betroffen.