Kommentar zur Einstellung des Projektes Windpark in Birkenau

So, es ist vollbracht, das namensgebende Ziel der Initiative wurde erreicht, es gibt keinen Windpark in Birkenau. Das ist für uns als Bürgerinitiative ein schöner Erfolg und zeigt das Engagement von Bürger etwas bewegen kann.

Natürlich ist man von Seiten der Stadtwerke Viernheim und vor allem des Planungsbüros 3p Herrn Simon darauf bedacht zur Gesichtswahrung den Eindruck zu erwecken unsere Aktivitäten hätten hier keinen Einfluss gehabt.

Aber wieder einmal sind wir von unserer Gemeinde enttäuscht. Offenbar war die Energieinitiative zum Termin am Montag eingeladen, uns hat man außen vor gelassen. Wirkliche Bürgerbeteiligung sieht anders aus. Ein Blick nach Weinheim würde genügen, wo man versucht die Bürgerinitiative aktiv einzubinden. Offenbar fehlt zur wirklichen Auseinandersetzung mit kritischen Stimmen aus der Bürgerschaft der Mut in Birkenau. Das Gemeinderatsmitglied Herr Kruse z.B. betont lieber in einem Leserbrief vom 3.8.13 in den Weinheimer Nachrichten zu IKEK die 2408 Stimmen die er bei der Wahl erhalten hat. Offenbar hält man hier das Mandat für einen Freibrief der den Mandatsträger über den „normalen“ Bürger erhebt und ihn in die Lage versetzt mehr zu wissen. Tatsächlich ist das Mandat aber eben nur das; ein Mandat, mehr oder besseres Wissen, das manchmal auch zu besseren Entscheidungen immer aber zu besserem Verständnis führt, kann man aber nur durch Lernen und nicht durch Wahlen erlangen.

Das führt wieder zurück zum Thema. Ausnahmslos alle Punkte die nun als Begründung von den Stadtwerken und dem Planer für den Stop des Projektes aufgeführt wurden, waren von Anfang an bekannt. Schwierige Zuwegung, weite Wege für die Energieableitung, Roter Milan, Fledermäuse, Siedlungsabstände wurden allesamt schon in den Informationsveranstaltungen im Frühjahr 2012 von den Bürgern vorgebracht, aber milde lächelnd sowohl von der Gemeinde als auch dem Planer und den Stadtwerken abgetan. Auch bei Gesprächen mit den Ortsvorstehern in diesem Jahr wurden diese Punkte vorgebracht und wie uns berichtet wurde wieder als irrelevant abgetan.

Es ist schwierig hier dem infantilen Drang zur Aussage: „Das haben wir euch gleich gesagt“ zu widerstehen. Tatsächlich ist es aber genau so. Was hier als Erkenntnis eines langwierigen und teuren Analyseverfahren dargestellt wird hätte jeder durch Kartenstudium, Ortsbegehung und einfache Rechnungen bereits im Sommer letzten Jahres feststellen können. Das hätte keinen mittleren fünfstelligen Betrag gekostet, wie berichtet wird, sondern lediglich einige Arbeitstage des Planers und des Projektleiters der Stadtwerke Viernheim. Das man den kritischen Aussagen der Bürger ohne eigene Recherche nicht geglaubt hat ist ja noch nachvollziehbar, das man aber Gutachten benötigt wirft doch die ein oder andere Frage auf.

Gelinde gesagt eine Zumutung ist die Aussage des Planers die Windgeschwindigkeiten wären ausreichend und die von uns beauftragten und von Fachunternehmen durchgeführten Messungen seien nicht fachgerecht gewesen. Wie hat er das denn festgestellt? Der Planer hat gerade einmal wenige Wochen mit einem akustischen SODAR Messgerät messen lassen. Laut TÜV Süd für aussagekräftige Messungen ein ungeeignetes Verfahren. Ansässige Landwirte haben dann auch berichtet das während der Zeit der Messung umfangreicher Traktorverkehr der natürlich Lärm erzeugt in der Nähe war. SODAR Messgeräte reagieren aber durchaus empfindlich auf Umgebungslärm mit erhöhter Messungenauigkeit. Sieht so eine professionelle Messung aus um ein multi-millionen Projekt zu starten?

Hier wird sich  einem uralten rhetorischen Kunstgriff aus Schopenhauers Eristischer Dialektik – dem „argumentum ad auditores gearbeitet. Dort heißt es:

Wenn ein Publikum vorhanden ist, das schlechter informiert ist als die Gegner […] können ungültige Gegenargumente gebraucht werden, solange sie dem Publikum plausibel sein können. Will der Gegner die Ungültigkeit aufzeigen, muss er zunächst das Publikum belehren, das die Belehrung nicht ohne Weiteres akzeptiert.
Ein ungültiger Einwurf, dessen Ungültigkeit aber nur der Sachkundige einsieht, die Hörer jedoch nicht, wird so in ihren Augen das Sachargument schlagen.

Das alles legt den Eindruck nahe, das man bei Beginn des Projektes der allgemeine Goldgräberstimmung bzgl. erneuerbarer Energien und Windkraft im speziellen erlegen ist. Dies betrifft alle Seiten:

  • Die Gemeinde die anfänglich noch von finanziellem Segen ausgegangen ist. Bei unserer letzten Veranstaltung in Birkenau hat der anwesende Bürgermeister Morr aber bereits eingesehen, das der Windpark kaum finanzielle Vorteile für die Gemeinde Birkenau bringt. Das hörte sich einige Monate zuvor noch anders an.
  • Die Stadtwerke Viernheim die das Projekt mit Mitteln der Energiegenossenschaft Starkenburg und wahrscheinlich aus ihrem Sonnenschein Programm finanzieren wollte. Bei Sonnenschein wird aber z.B. ein Zins für die Kunden garantiert, evtl. Verluste müsste das Unternehmen selbst tragen. Berichte über andere Windparks deren Ertragsprognosen deutlich überzogen waren haben hier offenbar auch einen Denkprozess gestartet.
  • Der Planer, der anfänglich wahrscheinlich glaubte mit einfachen Gutachten des Anlagenherstellers (z.B. für die Lärmentwicklung) und dem politischen Willen zur Energiewende und den daraus resultierenden bevorzugungen der Windkraft, das Projekt reibungslos und schnell umsetzen zu können.
  • Und die Energieinitiative, die nur zu gerne glauben wollte das man damit die Gemeinde Birkenau was Strom betrifft autark bekommen könnte. Dabei aber leider diverse technische Tatsachen nicht richtig bewertet hat. Traurig dabei ist, dass offenbar die Gemeinde auf die Aussagen der Energieinitiative unkritisch vertraut hat.

Neben unserem Widerstand der über die Monate immer mehr Unterstützer sowohl unter den Bürgern als auch im Gemeinderat fand hat sicher auch der allmähliche Stimmungswandel im Land weg von der Hurra-Stimmung zur Erkenntnis geführt das das Projekt genauestens beobachtet wird. Die Nachrichtenlage mit Offshore Windparks die mangels Energieableitung mit Diesel betrieben werden müssen, steigenden Stromkosten durch die EEG Umlage, Berichte über unrentable Windparks oder fragliche Vorgänge bei Windkraftinvestoren wie Prokon zeigen das es hier nicht um den Klima oder Naturschutz geht, sondern um ein Geschäft.

Nachdem vor der Sommerpause der Aufstellungsbeschluss für den Teilflächennutzungsplan durch die Initiative von CDU und Freien Wählern beschlossen wurde, war offenbar auch den Stadtwerken und 3p klar, das der Widerstand einen ersten Erfolg zu verbuchen hat, denn eine Baugenehmigung ist jetzt zumindest die nächsten 12 Monate nicht zu erwarten. Darüber hinaus birgt aus Sicht des Planers der FNP auch noch das Risiko das für Großanlagen gar keine Möglichkeit besteht weil alternative Standorte für andere Anlagen ausgewiesen werden und der Stenges mangels Wind eben nicht.

Soweit unsere erste Einschätzung dieser für uns sehr erfreulichen Nachricht. Über einzelne Punkte der Begründung wird es in den nächsten Tagen noch ausführlichere Artikel hier geben, wir können und wollen die im Raum stehenden Aussagen nicht unkommentiert in der Öffentlichkeit stehen lassen.

 

 

2 Gedanken zu „Kommentar zur Einstellung des Projektes Windpark in Birkenau

  1. Andreas Sindlinger

    Herzlichen Glückwunsch an die BI „Im Stenges“! Als Mitglied der BI Gegenwind Weinheim kann ich mir vorstellen, wieviel Energie und Arbeit euch eure Bemühungen gekostet haben. Umso erfreulicher, dass sie letztendlich erfolgreich waren!
    Wie ihr euch vorstellen könnt motiviert uns in Weinheim euer Erfolg ungemein und gibt uns neuen Schwung, denn fast alle Argumente (geringer Wind, Zuwegung, Leitung, Fledermäuse, etc.) treffen fast noch stärker auch auf den Geiersberg/Goldkopf zu…

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  2. Heiner GATHMANN

    Hallo, Herr Semel,
    nach meiner Gratulation zu dem Erfolg der vortrefflichen Arbeit der BI, die ich Herrn Johannsen zugesandt hatte, gratuliere ich nun auch zu dem gelungenen Abschluss-Bericht, den ich auch dem Odenwälder Arbeitskreis „Alternative Energien“, in dem ich mitarbeite, zur Lektüre empfohlen habe.

    Was mich im Moment lebhaft interessiert: Ist für Sie und Ihre Mitstreiter der BI die Sache nun erledigt oder ist es denkbar, dass Sie Ihre Motivation, Ihren Sachverstand und Ihre Erfahrung auch unterstützend mit einbringen würden, wenn es gilt, auch an anderer Stelle der Walze der übel-motivierten, gnaden- und sinnlosen Naturzerstörung Widerstand entgegen zu setzen?

    Es wäre nett, wenn Sie mir dazu eine kurze Anwort widmeten.

    Besten Dank und freundliche Grüße
    Heiner Gathmann (cetegus)

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