Archiv der Kategorie: Wirtschaftlichkeit

Energieeigenversorgung von Unternehmen nimmt zu

Nachdem bereits in der Vergangenheit große Unternehmen wie die BASF eigene Kraftwerke betrieben haben, fangen jetzt bereits auch größere Mittelständler an eigene Kraftwerke zu bauen. vor allem diejenigen die nicht von der EEG Umlage befreit sind. Interessanter Effekt dabei, damit wird der Strom tendenziell für den „normalen“ Privatverbraucher noch teurer, da Firmen mit eigener Energieversorgung für den selbst erzeugten Strom natürlich weder Netzentgelte noch EEG Umlage zahlen müssen. D.h. die EEG Umlage wird dann noch stärker von den Privathaushalten und Kleinunternehmen aufgebracht werden müssen.

Stellt sich die Frage wann ein eigenes Stromaggregat im Privathaus beginnt wirtschaftlich sinnvoll zu sein. Ohne Änderung am EEG und stetig steigender EEG-Umlage könnte dieser Zeitpunkt tatsächlich irgendwann erreicht sein.

Diesel/Benzin Generatoren in vielen Häusern, wegen steigender Strompreise günstiger als Strom aus der Leitung? Genauso wie großflächige Waldrodungen für WKA im Namen des Umweltschutzes ist das kaum sinnvoll erklärbar.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass es so nicht weiter gehen kann mit der Energiewende. Anstatt den Ausbau gerade von Windenergie ungezügelt voranzutreiben, ohne an die Folgen im Gesamtsystem (wirtschaftlich und technisch) zu denken, sollte endlich eine sachgerechte Planung in den Vordergrund treten. Das dumpfe glorifizieren der Windkraft oder Standortausweisungen in Form von prozentualen Anteilen der Landesfläche sollten einer vernünftigen Planung und Steuerung weichen. Das ist aber leider momentan politisch nicht so recht in mode, siehe Euro Hawk Debakel, Berliner Flughafen, Stuttgart 21, usw…

EEG Umlage 2014 bei 7ct?

Dieser Tage sind in der Presse die ersten Abschätzungen über die Höhe der EEG Umlage 2014 zu finden. Offiziell wird die Höhe der EEG-Umlage für 2014 erst Mitte Oktober (nach den Wahlen) von den vier großen Übertragungsnetzbetreibern veröffentlicht. Greenpeace geht davon aus das die Umlage auf 4,6 ct/kWh sinken könnte wenn die Politik die Rabatte für die Industrie reduzieren würde und den Emissionshandel reformieren würde. Wie allgemein bekannt ist die „Strompreisbremse“ im Vorfeld der Bundestagswahl dieses Jahr aber zunächst gescheitert. D.h. diese Einschätzung von Greanpeace hat für den Verbraucher leider keinerlei praktischen Wert, sondern dient eher dazu die Tatsachen zu verschleiern.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CSU) ging Anfang Juni davon aus, dass die Abgabe auf mehr als sechs Cent pro kWh steigen wird. Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) geht davon aus, dass die EEG-Umlage zum kommenden Jahr auf bis zu sieben ct/kWh steigen wird.

Die FAZ berichtet, dass momentan das Ausgleichskonto auf Basis dessen Saldos im September die EEG Umlage des Folgejahres berechnet wird ein Defizit von 1,75 Milliarden Euro aufgelaufen ist. Es wird von den Netzbetreibern erwartet das bis Ende September dieses Defizit auf mehr als 3 Milliarden Euro steigen wird.

D.h. für den normalen Stromverbraucher das nach der Erheblichen Steigerung der Stromkosten für 2013 die EEG Umlage für 2014 wahrscheinlich um etwa 30% steigen wird. Für einen Durchschnittshaushalt mit 3500 kWh Jahresverbrauch bedeutet das dann etwa 70€ Mehrkosten pro Jahr nachdem bereits 2013 für die gleiche abgenommene Strommenge bereits etwa 65€ mehr fällig wurden. D.h. für den genannten Durschnittshaushalt werden binnen zwei Jahren nur für die EEG Umlage über 11€ pro Monat mehr fällig. Gesamt zahlt der genannte Haushalt knapp 300€ pro Jahr EEG Umlage.

Es kann sich jeder selbst anhand seines eigenen Verbrauchs ausrechnen wie viel das bei ihm sind und sein werden.

 

Motivation der Stadtwerke Viernheim für den Windpark

Nachdem sich unsere Einschätzung der Windgeschwindigkeiten am Stenges durch die monatelangen (und mit dem 60m Mast immer noch andauernden) Messungen mehr als bestätigt haben, war uns immer noch die Motivation der Stadtwerke Viernheim am Projekt unklar. Uns wurde auch auf diversen Veranstaltungen von Gemeindevertretern gesagt; „wenn der Standort unwirtschaftlich ist wird nicht gebaut“. Auch der Planer Herr Simon hat dies auf den Informationsveranstaltungen so gesagt. Und nicht zuletzt die Energieinitiative als glühende Verfechter des Projektes haben das mehrfach betont.

Die zu erwartende Investitionssummen  erscheinen zunächst für ein Unternehmen wie die Stadtwerke Viernheim auch zusammen mit anderen Stadtwerken wie im Fall Mossautal für recht hoch. Ein Unternehmen mit 55 Mio. (2010) Umsatz und einem Jahresüberschuss von knapp unter einer Million (2010) stemmt Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe für mehrere Windparks (Mossautal, Birkenau) nicht mal eben so aus der Portokasse.

Bei der Recherche zum Thema Mossautal sind wir nun auf eine Pressemeldung im Viernheimblog gestoßen die hier etwas Licht in die Sache bringt.

Dort heißt es z.B.:

Mit diesem Projekt lösen wir unsere Zusage ein, die Gelder aus dem „Sonnen-Schein“-Angebot in umweltfreundliche Stromerzeugungsanlagen zu investieren. Da die Eigenmittel für das Projekt ausschließlich aus Sonnen-Schein Geldern stammen, sind die neuen Anlagen ein echtes Bürgerprojekt.“

D.h. hier geht man keinerlei eigenes finanzielles Risiko ein, ausschließlich Geld von Anlegern wird hier investiert.

Weiter heißt es:

„Mit diesem Windpark kann der Anteil der regenerativen Energien an unserem Strombezug erheblich gesteigert werden. Rund 30 % unseres Strombedarfs decken wir mit unseren eigenen Anlagen ab. Wir werden damit unabhängiger von der Strombeschaffung auf dem Markt und können unseren Kunden langfristig gute Strompreise sichern.“

Die Viernheimer Stadtwerke sehen ihren Vorteil also darin, so „günstiger Strom einkaufen zu können“ bzw. sich bessere Einkaufskonditionen zu sichern und ihren Stromkunden so (hoffentlich) bessere VK-Preise auf jeden Fall aber die eigene Marge zu sichern. Das ist grundsätzlich legitim, aber weder im angesprochenen Fall Mossautal, noch bei uns in Birkenau hätten die Bürger vor Ort hier also irgendeinen Vorteil! Ja, mag mancher Sagen, man kann ja auch Kunde der Stadtwerke Viernheim werden, was dann wohl auch ein Sinn der Aktion ist.

Zusammengefasst sieht es also wenn hier in Birkenau der gleiche Ansatz gefahren wird so aus:

1. Die Stadtwerke investieren kein eigenes Geld, sondern nur Mittel aus ihrer Sonnen-Schein Aktion bzw. wie angekündigt von der Energiegensossenschaft Starkenburg eingesammeltes Geld.

2. Es müssen keine Banken oder andere Profi-Anleger bemüht werden die evtl. Gutachten vorab verlangen und danach bei schlechtem Ertrag unangenehme Fragen stellen

3. Ist der Ertrag schlecht, ist kein eigenes Geld riskiert und damit evtl. verloren und man hat zumindest noch die Möglichkeit zu zeigen wie innovativ und ökologisch man ist weil man viele Megawatt installierter Ökostromleistung hat.

4. Der einzige Verlierer bei schlechtem Ertrag sind die Anleger die in gutem Glauben Anteile gezeichnet haben.

D.h. den Stadtwerken kann es schlicht egal sein ob der Stenges wirtschaftlich funktioniert oder nicht, denn das Risiko ist denkbar gering.

Und genau wegen solcher Gründe ist es wichtig, dass die Gemeinde Birkenau einen sachlichen Teilflächennutzungsplan nun wie beschlossen zeitnah aufstellt und somit wieder handlungsfähig im Sinne ihrer Bürger wird und nicht im Sinne von Wirtschaftsunternehmen aus anderen Städten.

Praxiserfahrungen mit Bürgerwindparks

Hier  findet sich eine sehr interessante Abhandlung über Bürgerwindparks und deren finanzielle Situation in den letzten Jahren von Herrn Dipl.-Kfm. Werner Daldorf, Steuerberater & Vorsitzender des Anlegerbeirats des Bundesverbands WindEnergie e.V.

Wie hier zu lesen ist, bringt kaum ein Windpark den Ertrag den die jeweiligen Planer prognostiziert haben. Wie gesagt, es handelt sich hierbei um den Bundesverband Windenergie e.V. der unverdächtig sein dürfte diese Situation schlecht zu reden.

Es heißt in dem oben verlinkten Dokument z.B.:

„Das heißt, daß nach 10 Jahren bis Ende 2011 auf der Einnahmenseite im Durchschnitt 140 % eines Jahresumsatzes gefehlt haben. In 82 % der geprüften Jahresabschlüsse lagen die Umsatzerlöse unter dem Prospektansatz.“

und abschließend:

„Rund die Hälfte aller kommerziellen onshore-Windparks laufen so schlecht, daß deren Anleger froh sein können, wenn sie nach 20 Jahren ihr Kommanditkapital zurückbekommen haben.“

Schaut man sich die Zahlen unserer Windmessungen an und schaut was als Erwartungshaltung für den geplanten Windpark angegeben wurde, so würde er sich in die Reihe der ertragsschwachen Windparks eingliedern. Wie aus dem Dokument ersichtlich wurden hier zahlreiche Jahresabschlüsse ausgewertet, es handelt sich also um Tatsachen und keine Schätzungen.

Auch wenn von Seiten der Befürworter in Birkenau immer wieder auf die unabhängigen Messungen und Gutachten verwiesen wird, haben wir bis heute keine davon gesehen. Wir haben unsere Ergebnisse veröffentlicht, von seiten des Planers haben wir bisher nur ein SODAR Messgerät am Stenges gesehen, das aber für eine stichhaltige Prognose nicht geeignet ist weil zu ungenau.

Die Indizien sprechen also für genau den im verlinkten Dokument aufgezeigten Mechanismus von zu optimistischer Planung auf Basis von unzureichend gemessenen Werten.

 

Bürgerwindpark, Energiegenossenschaften und andere interessante Einsichten

Angesichts der mageren Windgeschwindigkeiten am Stenges stellt sich immer wieder die Frage wie ein solches Projekt überhaupt finanziert werden kann. Uns wird immer wieder vorgehalten (zum letzen mal von Herrn Heiß bei unserer Veranstaltung am 13.03.2013) die Stadtwerke Viernheim  würden sicher wissen was und warum sie das tun und davon abgesehen gehe die Wirtschaftlichkeit weder uns noch die Gemeinde etwas an.  Das ist grundsätzlich richtig, es ist nicht verboten schlechte wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen oder das eigene Geld zu verschwenden. Belastet aber das Vorhaben unbeteiligte Bürger und eine Gemeinde ist eine solche Haltung aus meiner Sicht mindestens fragwürdig. Und tatsächlich wird nicht nur eigenes Geld verschwendet, über die EEG Umlage ist hier sowieso jeder private Haushalt unmittelbar monetär belastet.

Im Zuge dieser Gedanken haben wir dann begonnen zu recherchieren wie denn das immer wieder als Vorbild genannte Neutscher Windrad eigentlich so finanziert wurde. Dabei sind wir auf interessante Informationen gestoßen die ebenso interessante Fragen aufwerfen. Nur soviel vorab; alle verwendeten Informationen sind frei im Internet verfügbar, es kann jeder selbst nachprüfen.

Bürgerbeteiligung/Bürgerwindrad

Zur Zeit, wie auch beim Birkenauer Projekt,  wird verstärkt für sogenannte Bürgerbeteiligungen im Rahmen von Windräder-Betreibermodellen geworben. Diese Werbung richtet sich in erster Linie an einen finanziell unerfahrenen Personenkreis, für den eine Investition in Windenergie eher eine Glaubenssache ist. Diese Menschen sind sich oftmals der Risiken nicht bewusst, die mit diesen Beteiligungen verbunden sind. Begünstigt wird der Erfolg dieser Betreibermodelle durch eine Vielzahl von Faktoren:

  • Unkritische Medien, die breit über erste Spatenstiche berichten und den Initiatoren Gelegenheit geben, ausführlich ihre Konzepte in den buntesten Farben darzustellen. Gibt es keine BI wie in Birkenau und mittlerweile vielen anderen Gemeinden, die dagegen halten, werden die Auswirkungen und Risiken der Anlagen einfach ausgeblendet.
  • Die Atmosphäre, die bei den Informationsveranstaltungen herrscht, erinnert an Kaffeefahrten. Wenn dann Bürgermeister, Gemeindevertreter und regionale Banken als auch „regionale Stadtwerke“ dieses Vorhaben unterstützen, umso besser und für den unbedarften Bürger natürlich vertrauenswürdiger. Es ging in Lörbach sogar so weit, das dem Planer und den Vertretern der Energiegenossenschaft Fresskörbe als Dank für die Teilnahme überreicht wurden. Fresskörbe dafür das sie ihr ureigenstes Interesse und Geschäft vertreten haben.
  • Die ständige Heraushebung der Selbstlosigkeit der Initiatoren – Ihre Ehrenamtlichkeit wird betont – Es geht ihnen ausschließlich um eine bessere Welt, in der alle Menschen über regenerativen Strom glücklich sind. Es wäre äußerst unpassend, ihnen mit solch profanen Fragen zu kommen, wie, ob man sicher sein kann, seine Einlagen jemals wiederzusehen und ob die zugesagten Erträge, niedrig genug, garantiert sind. Die Verschleierung der Risiken wird dadurch erleichtert, dass für Genossenschaftsanteile die sogenannte Prospektpflicht nicht gilt, also keine umfassende Beschreibung wie bei anderen Anlageformen stattfinden muss. Deshalb ist wohl auch diese Gesellschaftsform gewählt worden.

Im Rahmen des Anlegerschutzes nach § 8f Verkaufsprospektgesetz (VerkProsG) unterliegen alle Formen von öffentlich angebotenen Unternehmensbeteiligungen der Prospektpflicht. In diesem Prospekt müssen alle Aspekte der Beteiligung umfassend dargestellt werden, insbesondere auch das Insolvenzrisiko. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass Angaben fehlen oder falsch sind, kann der Anbieter dieser Beteiligungen , z.B. die Bank, zum Schadenersatz verpflichtet werden. Der jeweilige Prospekt muss vorab der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zur Prüfung vorgelegt und von dieser genehmigt werden. So werden die Anleger umfassend geschützt. Auch das öffentliche Angebot für eine Beteiligung an einem Bürgerwindpark oder einer Bürgersolaranlage fällt grundsätzlich unter diese gesetzliche Vorschrift.

Prospektpflicht gilt nicht für Genossenschaften bzw. für deren Initiatoren (VerkProsG § 8f  Abs.2 )!

Hätte z.B. das „Projekt Windstark 1“ der Energiegenossenschaft Starkenburg die Gesellschaftsform einer GmbH, müsste der genehmigte Verkaufsprospekt eine Umfang von ca. 200 Seiten mit umfangreichen Risikoaufklärungen haben. Da hier jedoch mit Bedacht die Form der Genossenschaft gewählt worden ist, genügt eine Broschüre mit einem Umfang von 11 Seiten!

Unklarheiten bei bereits realisiertem Projekt in Neutsch der Energiegenossenschaft Starkenburg 

Projekt Windstark 1
Die offizielle Projektbeschreibung findet sich hier
Auffällig ist der Preis, der hier für den Kauf eines Repower-Windrades ausgewiesen wird: 3.500.000 EUR (S. 7) !

Der Preis für diesen Typ liegt aber z.B. im „Lloydfonds Energie Europa bei nur 2.328.000 EUR, s. S. 95 des Verkaufsprospektes

Der weltweite Durchschnittspreis für Windkraftanlagen liegt bei etwa 1 Mio € pro installiertem MW Leistung wie z.B. hierhierhier, hier oder hier nachzulesen ist.

Stellt sich also die Frage wieso rund 1,2 Mio € mehr als nötig bezahlt wurden. Warum wurde so schlecht eingekauft? Oder anders formuliert, was ist mit dem Differenzbetrag von ~1,2 Mio € passiert der in Neutsch hauptsächlich aus dem Geld der Anleger beglichen wurde? Hat sich hier nur der Verkäufer der Anlage gefreut ein gutes Geschäft gemacht zu haben? Und was sagt das über die geschäftliche Eignung der Käuferseite aus?  Ein Schelm wer böses dabei denkt!

Was bedeutet es bei den Energiegenossenschaften Geld anzulegen?

Ob die Erträge ausreichen, die Verpflichtungen der und gegenüber den Genossen zu erfüllen, steht in den Sternen, nachdem, wie gesagt, ein Gros der zu erwartenden Gewinne mit dem Kauf der Windanlage zum überhöhten Preis über z..B die Abschreibungen gemindert werden.

Was bedeutet Insolvenz bzw. Konkurs für Anleger? Gerade an windschwachen Standorten wie im Stenges ist der mangelnde Ertrag, wie im vorherigen Beitrag gezeigt vorprogrammiert.  Diese Insolvenzgefahr ist in der Projektbeschreibung recht verklausuliert ausgedrückt (S. 10): „Das nachrangige Darlehen hat, wie es der Name schon sagt, Nachrangcharakter. Das nachrangige Darlehen gilt als Eigenkapital der Genossenschaft. Im Falle einer Genossenschaftsinsolvenz steht dieses Darlehen hinter Forderungen anderer Gläubiger zurück und somit wäre dann theoretisch ein Gesamtverlust in Darlehenshöhe möglich.“

Das heißt im Klartext:

Arbeitet die Genossenschaft mit Verlust, verringert sich entsprechend die Einlage da die Verluste zunächst aus dem Eigenkapital gedeckt werden. Im Falle einer Insolvenz bzw. eines Konkurses ist die Einlage weg. Die Formulierung „theoretisch ein Gesamtverlust in Darlehenshöhe“ oben heißt schlichtweg das man sein Geld der Genossenschaft übergibt und außer dem Vertrauen in die Windkraft keinerlei Garantie hat das Geld jemals wieder zu sehen. Es handelt sich also um eine hoch riskante Geldanlage mit Totalverlust Risiko. Der Begriff „theoretisch“ versucht oben zu suggerieren das das ja sehr unwahrscheinlich ist, im Zuge der Finanzkrise sollten wir aber alle gelernt haben das es so etwas wie theoretische Risiken nicht gibt.

Aber weiter, nachrangig bedeutet auch zuerst werden Banken bedient die in das Projekt eingebunden sind. Wenn dann noch was übrig bleibt, was unwahrscheinlich ist, kämen die Genossen zum Zuge. Für ein solches Risiko sind 4,25 Prozent Zins zu wenig. Marktüblich sind bei solcher Risikolage 8-12 %.Üblicherweise erhält jede Genossin/jeder Genosse aus den Erträgen der Genossenschaft eine jährliche Dividende. Über deren Höhe werden vorsichtshalber keine Aussagen gemacht, nur als fiktiver Fall in einer Beispielrechnung – und die ist absurd (S. 10): Dort wird der theoretische Fall erwogen, wie eine Jahresdividende von 30 EUR bei einem Konfessionslosen steuerlich zu behandeln wäre. Das würde eine Jahresdividende von 15 % bedeuten, ein absurd hoher Wert.

Von so einer Geldanlage kann unerfahrenen Anlegern nur abgeraten werden.

Energiegenossenschaft Odenwald

Die Energiegenossenschaft Odenwald beteiligte sich an den Windrädern auf der Neutscher Höhe, soweit bekannt soll das in Birkenau nicht der ´Fall sein. Es gelten aber die Aussagen zur Energiegenossenschaft Starkenburg entsprechend auch für sie. Der Unterschied hier: Ein zusätzliches Darlehen ist nicht vorgesehen. Die Einlage kann zwischen 100 und 5000 EUR  betragen, Kündigungsfrist 2 Jahre.

§ 45 Verwendung des Jahresüberschusses„
1) Über die Verwendung des Jahresüberschusses zuzüglich eines eventuellen Gewinnvortrages und abzüglich eines eventuellen Verlustvortrages entscheidet die Generalversammlung.“ D.h. es muss von Jahr zu Jahr neu entschieden werden, ob es eine Dividende gibt und wie hoch sie ausfällt.

Natürlich unterliegt auch diese Genossenschaft dem Insolvenzrisiko, die besonders verklausuliert in der Satzung ausgedrückt wird:

„§ 41 Nachschusspflicht :Eine Nachschusspflicht der Mitglieder besteht nicht“ § 46

2) Soweit ein Bilanzverlust nicht auf neue Rechnung vorgetragen oder durch Heranziehen der anderen Ergebnisrücklagen gedeckt wird, ist er durch die gesetzliche Rücklage oder durch die Kapitalrücklage oder durch Abschreibung von den Geschäftsguthaben der Mitglieder oder durch mehrere der vorgenannten Maßnahmen zugleich zu decken.(3) Werden die Geschäftsguthaben zur Deckung des Bilanzverlusts herangezogen, so wird der auf das einzelne Mitglied entfallende Anteil des Bilanzverlustes nach dem Verhältnis der übernommenen oder der nach der Satzung zu übernehmenden Geschäftsanteile aller Mitglieder bei Beginn des Geschäftsjahres, in dem der Verlust entstanden ist, berechnet.

Im Klartext: Arbeitet die Genossenschaft mit Verlust, verringert sich die Einlage entsprechend, im Konkursfall ist sie weg! Angesichts dieser Risiken sind 3,5% Zins ein Witz. Für Festgeld, das voll und ganz durch Einlagensicherungsfonds geschützt ist, gibt es annähernd ähnliche Zinsen. Die Volksbank selbst hat im letzten Jahr auf Ihre Anteile bei fast auszuschließendem Insolvenzrisiko(dann würde sie von benachbarten Volksbanken übernommen) 5,8 % gewährt.

Auch hier sollte also der unerfahrene Anleger Vorsicht walten lassen.

Wer trägt eigentlich das Risiko bei einem Windpark?

Abschließend sei noch darauf hingewiesen wer wirklich das Risiko bei Windparks im allgemeinen und natürlich vor allem in Birkenau trägt.

Der Hersteller der Windkraftanlage liefert die Anlage und wird dafür bezahlt. Er trägt kein besonderes Risiko wenn die Anlage ordentlich geliefert wird und technisch funktioniert wie jeder andere Lieferant auch.

Die Unternehmen die Bauleistungen ausführen tragen natürlich auch kein Risiko ob der Windpark funktioniert oder nicht. Sie haben Wege, Stromtrassen, Fundamente usw. gebaut wie bestellt und werden dafür bezahlt.

Der Planer. Wird üblicherweise vom zukünftigen Betreiber beauftragt und schuldet eine Werkleistung, d.h. eine genehmigungsfähige Planung und je nach Vertrag auch die Fertigstellung des Windparks, sprich Projektleitung. Ist diese Leistung erbracht worden wird er bezahlt. Also auch hier kein Risiko ob der Windpark die erhofften Erträge bringt.

Der Betreiber. Bekommt garantierte Einspeisevergütung und der Strom muss vom Netzbetreiber abgenommen werden. Schon mal kein Absatzrisiko. Die Investitionssumme soll ja zur Hälfte von der Genossenschaft Starkenburg kommen, die andere Hälfte von den Stadtwerken Viernheim. Schaut man sich Bilanzen der Stadwerke an so ist zu erkennen das das Unternehmen keine Multimillionen Investitionen einfach so aus eigener Tasche finanzieren kann, also wird man neben der Energiegenossenschaft Starkenburg auch noch Banken hinzuziehen müssen. Schaut man sich an das die Stadtwerke Viernheim noch andere Großprojekte im Bereich Windkraft parallel zu Birkenau vorantreiben wird schnell klar, das hier Fremdkapital benötigt wird. Bei Investitionen dieser Größenordnung ein in der Wirtschaft ja auch üblicher Vorgang. Um das Risiko hier von der Muttergesellschaft zu entkoppeln wird üblicherweise für einen Windpark eine GmbH&Co KG zusammen mit den Genossenschaften gegründet, und die WKA als Sicherheiten an die Banken übereignet. D.h. außer den Kosten für die Organisation besteht kaum ein Risiko.

Die Investoren in Genossenschaftsanteile: Geht jetzt etwas schief durch mangelnden Wind und damit Einnahmen, so ist die gegründete GmbH&Co KG irgendwann insolvent, die Banken fordern ihre Sicherheiten (die Windräder) ein und da dann keine Erträge mehr erwirtschaftet werden kann die Genossenschaft an ihre Genossen auch keine Gewinnbeteiligung mehr ausschütten oder Zinsen zahlen. Im schlimmsten Fall rutscht auch sie in die Insolvenz und die Genossenschaftsanteile und nachrangigen Darlehen sind verloren.

D.h. letztlich tragen bei den Bürgerwindparks die Privatinvestoren das hauptsächliche Risiko, alle anderen profitieren entweder durch Aufträge (Planer, Lieferanten, Hersteller) oder tragen nur minimale Kosten erhalten aber im Erfolgsfall ansehnliche Anteile des erwirtschafteten Gewinns (Betreiber).

 

Stromertrag auf Basis unserer Messwerte

Nachdem in der Öffentlichkeit teilweise absurde Zahlen bzgl. des Stromertrages aus den möglichen Windkraftanlagen kursieren hier nun ein paar Fakten basierend auf unseren Messungen und anderen öffentlich verfügbaren Daten.

Laut Erneuerbar-Komm Studie hat Birkenau einen Stromverbrauch von  31 GWh pro Jahr. In der folgenden Tabelle nun die zu erwartenden Stromerträge bei verschiedenen durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten:

  Windgeschw. In m/s Leistung Einzelanlage in kW Leistung 3 Anlagen in kW kWh / Tag kWh/Jahr MWh/Jahr GWh/Jahr
E-92 2,3MW 4 98 294 7056 2.575.440 2.575 3
  6 384 1152 27648 10.091.520 10.092 10
  6,5 510 1530 36720 13.402.800 13.403 13
  7 637 1911 45864 16.740.360 16.740 17
 
E-82 2,3MW 4 82 246 5904 2.154.960 2.155 2
  6 321 963 23112 8.435.880 8.436 8
  6,5 427 1281 30744 11.221.560 11.222 11
  7 532 1596 38304 13.980.960 13.981 14

D.h. die kursierenden 60% des Stromverbrauchs den der Windpark abdecken könne, kann selbst bei 7 m/s Windgeschwindigkeit nicht erreicht werden. Bei den laut Windsuchkarten prognostizierten 6,5 m/s wären es bestenfalls zwischen 35% und 40%. Nimmt man die von uns gemessenen 3,7 m/s so sind es gerade noch zwischen 6% und 9%.

Als Begründung warum wir Birkenauer Bürger den Windpark gut finden sollen fällt also das Argument einer überwiegenden Versorgung Birkenaus mit „sauberem“ Strom schon mal flach.

Schauen wir uns nun die finanzielle Ausbeute des geplanten Windparks an. Hier wird ja gerne von Bürgerwindpark gesprochen und den tollen Renditechancen. Es sei jedem ans Herz gelegt bevor er Geld in diesen Windpark z.B. über eine Genossenschaft investiert, sich zu verdeutlichen, dass das eingesetzte Kapital im Falle einer Insolvenz der Betreibergesellschaft (die speziell für jeden Windpark i.d.R. als GmbH & Co KG gegründet wird) mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett verloren ist.

Aber zurück zur Ausbeute des geplanten Windparks anhand der vorliegenden Zahlen. In den ersten 5 Jahren erhalten Betreiber eine Einspeisevergütung von 8,8ct/kWh danach 4,8ct/kWh. Nimmt man nun die oben in der Tabelle genannten Stromerträge bei den von uns gemessenen Windgeschwindigkeiten so wird der Windpark etwa zwischen 190.000€ und 230.000€  an Einspeisevergütungen pro Jahr in den ersten fünf Jahren erzielen. Danach zwischen 103.000€ und 125.000€ pro Jahr.

Nochmal zur Verdeutlichung, die Erträge sind Durchschnittswerte die keinerlei Stillstand durch Wartung, Vermeidung von Schattenschlag, Schutz von Vögeln oder Fledermäusen usw. berücksichtigen. Gleichwohl also sehr optimistische Werte die in der Realität in Summe eher niedriger sein werden. Nimmt man nun als Investitionssumme für den Windpark optimistisch niedrige 2 Millionen pro Windrad inkl. aller Infrastrukturmaßnahmen, in Summe also 6 Millionen an und weiterhin eine Verzinsung von 4% p.a. so errechnet sich schnell das im ersten Jahr etwa 240.000€ Zinsen zu zahlen sind.  Bei den o.g. Erträgen basierend auf unseren Messungen erwirtschaftet der Windpark also noch nicht einmal die notwendigen Zinszahlungen. Weder Pacht noch Wartung ist hier berücksichtigt.

Der viel beschworene „Bürgerwindpark“ bringt den Bürgern also eher keinen finanziellen Segen, sondern im schlimmsten Fall das Risiko das eingesetzte Kapital zu verlieren. Auch das also kein Grund den Windpark in Birkenau gut zu finden.

Die Gemeinde hofft ja auf Gewerbesteuererträge, Pachteinnahmen und evtl. sogar eine Gewinnbeteiligung. Das wäre ja im Sinne der Gemeinschaft eine gute Sache wenn die klamme Gemeindekasse so aufgebessert würde. In Anbetracht der Zahlen oben ist aber auch hier eher nichts zu erwarten. Wenn nicht einmal die Zinsen erwirtschaftet werden, so gibt es wohl auch keinen Gewinn aus dem Betrieb und somit betrachtet man nich die Abschreibungen sowieso auf lange Sicht auch keine Gewerbesteuer. Also auch das kein Grund den Windpark gut zu finden.

Abschließend sei nur nocheinmal darauf hingewiesen das wir alle über die EEG Umlage die o.g. Einspeisevergütung, d.h. jede kWh die der Betreiber verkaufen kann, mit etwa 4-5 ct subventionieren, d.h.  über unser aller Stromrechnungen bezahlen.

Vergleichswerte des Hess. Landesamtes für Umwelt und Geologie

Auch wenn unser Staat immer gescholten wird er würde mit Steuergeldern bezahlte Daten nicht den Bürgern zur Verfügung stellen, muss man auch die Fälle anerkennen in denen das nicht der Fall ist. Die letzten Tage bin ich bei der Suche nach Windmessungen in unserer Umgebung auf solche Daten gestoßen.

Die Webseite des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie ist eine überaus umfangreiche Quelle von Umweltmessdaten aus ganz Hessen. Für uns hier ist die Messstation in Fürth von direktem Interesse.

Hier kann man zahlreiche Messwerte wie Temperatur, Luftdruck, Relative Luftfeuchte, Ozonkonzentration und nicht zuletzt Windgeschwindigkeit und Windrichtung der letzten 15 Jahre abfragen.

Die Messstation befindet sich in Fürth genau hier:


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Damit ist sie etwa 12km Luftlinie vom Stenges entfernt, allerdings auf einer Höhe von 484 m über N.N. und damit sogar über der geplanten Nabenhöhe der Anlagen am Stenges.

Da diese Daten öffentlich sind hier eine Auswertung über die letzten 12 Monate, das einen Mittelwert der Windgeschwindigkeit in Fürth von 2,4 m/s ergibt. Quelle die oben genannten Daten des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie.

Fürth 1 Jahr

Wenig überraschend bestätigen auch die dortigen für jeden frei verfügbaren Messergebnisse unsere Messung am Stenges der Größenordnung nach. Selbst bei wohlwollender Betrachtung kommt man hier nicht einmal in die Nähe von 5,5 m/s im Durchschnitt. Über 10 m/s wo wir dann im Bereich der Vollast wären liegen über die letzten 15 Jahre gemessen so gut wie nie an, in den letzten 12 Monaten gar nicht. D.h. unsere nun seit vier Monaten laufende Messung mit dem 20 m Mast kann so mit völlig unabhängig und offiziell erhobenen Daten als bestätigt angesehen werden. Um aber auch noch den letzten Zweifler zu überzeugen, bevor uns vorgeworfen wird Fürth sei ja 12 km entfernt, wird ja seit letzter Woche auch mit dem 60 m  Mast am Stenges gemessen. Damit dürfte dann ein für allemal dokumentiert sein, das die Windgeschwindigkeit am Stenges für einen wirtschaftlichen und damit sinnvollen Betrieb nicht ausreicht. Und nur ein sinnvoller Betrieb, der eine ausreichende Stromerzeugung vorweisen kann, könnte überhaupt ein Argument sein den Anwohnern die Windräder zuzumuten.

Auch vom Deutschen Wetterdienst vorliegendes Kartenmaterial  zeigt das Birkenau zu den schlechtesten Standorten für WKA Anlagen zählt.

D.h. und ich wiederhole mich, mit den vorliegenden Daten ist für jeden nachvollziehbar und klar dargelegt, dass am Stenges ein wirtschaftlich sinnvoller Betrieb der WKA nicht machbar ist.

Mag sein, das der Betreiber Stadtwerke Viernheim andere Gründe hat diese Anlagen zu errichten. Unmittelbare Einnahmen und damit langfristig Gewinn aus der Einspeisung des  erzeugten Stromes kann aufgrund der vorliegenden Datenbasis der Grund aber nicht sein.

 

Halbzeit unserer Windmessung – immer noch deutlich zu wenig Wind!

Uns liegen nun die Messprotokolle für 49 Tage Windmessung „Im Stenges“ vor. Halbzeit also unseres zunächst für drei Monate geplanten Messzyklus.

Soviel vorab, der Durchschnittswert ist nicht besser geworden, ganz im Gegenteil. Waren es bei der letzten Messung extrapoliert noch 4,48 m/s sind wir jetzt auf Nabenhöhe nur noch bei 3,88 m/s. D.h. die Daten bestätigen weiterhin unsere seit Monaten auf Basis der allgemeinen Wetterdaten gemachten Aussagen und Einschätzungen. Es ist immer noch nicht erkennbar, dass dort oben WKA wirtschaftlich betrieben werden könnten!

HalbzeitMessergebnisse

 Legende:

  • die rote Linie stellt den aktuell gemessenen Durchschnittswert dar.
  • die grüne Linie stellt die Durchschnittsgeschwindigkeit dar, die i.a. als Grenze zur Wirtschaftlichkeit angesehen wird.

Neben den fortlaufenden Mastmessungen wurde letzte Woche am Freitag auch noch eine LIDAR (= mastlose Laser Messung) vorgenommen. Hintergrund ist hier die von den gemessenen Geschwindigkeiten in 20m Höhe extrapolierten Werte auf der geplanten Nabenhöhe von über 100m zu verifizieren.

Dabei wurde eine zu vernachlässigende Toleranz (Ungenauigkeitsdifferenz zwischen Mastmessung und LIDAR) zu Gunsten der Mastmessergebnisse, von unter 0,5% festgestellt!  Auch wurden mit dem LIDAR (welches für einen Tag geliehen wurde) bis auf 150 Meter Höhe weitere 10 m Schichtenmessungen durchgeführt, um a) Vertikal-Turbulenzen zu erfassen und b) um zu sehen ob die Hochrechnungen der Mastergebnisse stimmig sind!

logarithmischesWindprofil201201

Der letzte Freitag war dafür perfekt geeignet da am Stenges gestern einige Starkwindböen „als Turbulenz“ auftraten und per Messung nachgewiesen werden konnten. Solche Turbulenzen sind für Windkraftanlagen generell als negativ zu bewerten, da Sie die Struktur und Haltbarkeit eine WKA angreifen und erhöhte Wartungsaufwendungen nötig machen!

Das schon beim letzten Mal meinerseits veröffentlichte Ergebnis, wurde zudem mit der neuerlichen Datenauslesung nochmals bestätigt! Wir haben „im Stenges“ nach 49 Messtagen immer noch nur eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 2,7m/sec. auf 20m Höhe!!  Per Lidar-Vergleichsmessung wurden zudem gestern auch der bisher errechnetet Schnitt auf 100 Meter, 110  und 140 Meter Höhe (mögliche Nabenhöhe/Anlagenhöhe) noch einmal bestätigt! Das geliehene Lidar Gerät (Marke: Galion) war übrigens ein Gerät der neuesten 2. Geräte-Generation der weltweit hier führenden Schottischen Firma SgurrEngery (Anschaffungspreis: 300.000,- €). Es gibt im Moment nur etwa 10 dieser Geräte weltweit und zur Zeit nur ein einziges in Deutschland.

Und an die hier mitlesenden Befürworter dieses Projektes. Alle Messungen werden von fachkundigem Personal vorgenommen. Die Messgeräte sowohl bei der Mastmessung als auch bei der LIDAR Messung sind professionelle Geräte. Das ist keine Bastelmessung von Laien! Die Daten werden von Windkraftprofis ausgewertet und gemäß branchenüblicher Standards aufbereitet. So sollte eigentlich auch der Projektentwickler messen und das noch über einen längeren Zeitraum, um den Investoren ein realistisches Bild der Lage und des möglichen Ertrages der geplanten Anlagen zu liefern.

Erläuterungen zum Windprofil

Am Boden ist der Wind wegen Hindernissen und der Bodenrauigkeit stark gebremst. Hoch über dem Boden in den ungestörten Luftschichten des geostrophischen Windes (um 5 km hoch) ist der Wind nicht mehr von der Oberflächenbeschaffenheit der Erde beeinflusst. Zwischen diesen beiden Schichten ändert sich die Windgeschwindigkeit mit der Höhe über Grund. Dieses Phänomen wird als vertikale Windscherung bezeichnet.

In normalem Gelände und bei neutraler atmosphärischer Schichtung ist das logarithmische Windprofil eine gute Näherung für die vertikale Windscherung:

FormellogWindprofil

Die Referenzgeschwindigkeit v1 ist bei der Referenzhöhe h1 gemessen. v2 ist die Windgeschwindigkeit in der Höhe h2. z0 ist die Rauigkeitslänge

 

Der Vollständigkeit halber hier eine Übersicht über die Rauhigkeitsklassen:

rauhigkeitsklassen

Da es sich bei dem Gebiet um landwirtschaftliches Gelände mit Wäldern und sehr unebenes Terrain handelt, ist hier von einer Rauigkeitsklasse von 2 auszugehen, was wiederum einer Rauigkeitslänge von 0,4 m entspricht. Weitere Grundlage ist die am Standort gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit von 2,7 m/s in 20 m über Grund

vertikalesWindprofil201301

 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, die vorliegenden Messdaten zeigen weiterhin, selbst nach den recht stürmischen Tagen der letzten Wochen, keinerlei Indizien dafür eine WKA Im Stenges auch nur ansatzweise wirtschaftlich zu betreiben. Nicht einmal wenn Anlagen mit einer Nabenhöhe von 140m eingesetzt würden wäre das erreichbar.

Ausführliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Auch wenn es hier einige Zeit recht ruhig war, ist die Initiative im Hintergrund äußerst aktiv und es gibt allerlei Neues was wir dem geneigten Leser und den Betroffenen in Birkenau nicht vorenthalten möchten.

Von Windkraftbefürwortern sowie von den potentiellen Anlagenbetreibern wird gerne neben der „grünen Energie“ und der Unabhängigkeit in der Energieversorgung auch der wirtschaftliche Nutzen für die Gemeinde hervorgehoben.

Ein wirtschaftlicher Nutzen für die Gemeinde kann jedoch nur entstehen, wenn das Projekt auch für den Anlagenbetreiber wirtschaftlich ist. Insofern ist es nicht – wie es oft argumentiert wird – nur Sache des „Investors“, sondern es ist im Interesse aller Beteiligten, dass hier wirtschaftlich gearbeitet wird.

Freundlicherweise wurde uns von „Due Diligence & Project Engineering, Schriesheim/Heidelberg“ eine wirtschaftliche Betrachtung des Windkraftvorhabens in Birkenau zur Verfügung gestellt. Enthalten sind auch die ersten Ergebnisse der von uns beauftragten professionellen Windmessung.

Die Betrachtung oder eigentlich schon das Gutachten wurde aufgrund der öffentlich vorgetragenen Informationen aus der Projektvorstellung, des Dipl. Ing. Simon (i.A. der Stadtwerke Viernheim) erstellt.

Das Fazit lautet wenig überraschend:

Unter den gegebenen Umständen ist davon auszugehen, dass ein wirtschaftliches Betreiben von WKA auf dem Birkenauer Gelände: „im Stenges“ nicht oder in nur sehr geringem Maße gegeben ist!
Die äußerst geringen Ertragsaussichten (wohl eher unter 60% des Referenzertrags und die extrem lange Amortisationszeit stellen ein erhebliches unternehmerisches Risiko dar, insbesondere, da die Prognosen von Kosten und Erträgen immer unsicherer werden, je weiter sie in der Zukunft liegen. Eine Mindestrendite von 4% des eingesetzten Kapitals erscheint unter den o.g. Voraussetzungen als kaum realisierbar.