Stromertrag auf Basis unserer Messwerte

Nachdem in der Öffentlichkeit teilweise absurde Zahlen bzgl. des Stromertrages aus den möglichen Windkraftanlagen kursieren hier nun ein paar Fakten basierend auf unseren Messungen und anderen öffentlich verfügbaren Daten.

Laut Erneuerbar-Komm Studie hat Birkenau einen Stromverbrauch von  31 GWh pro Jahr. In der folgenden Tabelle nun die zu erwartenden Stromerträge bei verschiedenen durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten:

  Windgeschw. In m/s Leistung Einzelanlage in kW Leistung 3 Anlagen in kW kWh / Tag kWh/Jahr MWh/Jahr GWh/Jahr
E-92 2,3MW 4 98 294 7056 2.575.440 2.575 3
  6 384 1152 27648 10.091.520 10.092 10
  6,5 510 1530 36720 13.402.800 13.403 13
  7 637 1911 45864 16.740.360 16.740 17
 
E-82 2,3MW 4 82 246 5904 2.154.960 2.155 2
  6 321 963 23112 8.435.880 8.436 8
  6,5 427 1281 30744 11.221.560 11.222 11
  7 532 1596 38304 13.980.960 13.981 14

D.h. die kursierenden 60% des Stromverbrauchs den der Windpark abdecken könne, kann selbst bei 7 m/s Windgeschwindigkeit nicht erreicht werden. Bei den laut Windsuchkarten prognostizierten 6,5 m/s wären es bestenfalls zwischen 35% und 40%. Nimmt man die von uns gemessenen 3,7 m/s so sind es gerade noch zwischen 6% und 9%.

Als Begründung warum wir Birkenauer Bürger den Windpark gut finden sollen fällt also das Argument einer überwiegenden Versorgung Birkenaus mit „sauberem“ Strom schon mal flach.

Schauen wir uns nun die finanzielle Ausbeute des geplanten Windparks an. Hier wird ja gerne von Bürgerwindpark gesprochen und den tollen Renditechancen. Es sei jedem ans Herz gelegt bevor er Geld in diesen Windpark z.B. über eine Genossenschaft investiert, sich zu verdeutlichen, dass das eingesetzte Kapital im Falle einer Insolvenz der Betreibergesellschaft (die speziell für jeden Windpark i.d.R. als GmbH & Co KG gegründet wird) mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett verloren ist.

Aber zurück zur Ausbeute des geplanten Windparks anhand der vorliegenden Zahlen. In den ersten 5 Jahren erhalten Betreiber eine Einspeisevergütung von 8,8ct/kWh danach 4,8ct/kWh. Nimmt man nun die oben in der Tabelle genannten Stromerträge bei den von uns gemessenen Windgeschwindigkeiten so wird der Windpark etwa zwischen 190.000€ und 230.000€  an Einspeisevergütungen pro Jahr in den ersten fünf Jahren erzielen. Danach zwischen 103.000€ und 125.000€ pro Jahr.

Nochmal zur Verdeutlichung, die Erträge sind Durchschnittswerte die keinerlei Stillstand durch Wartung, Vermeidung von Schattenschlag, Schutz von Vögeln oder Fledermäusen usw. berücksichtigen. Gleichwohl also sehr optimistische Werte die in der Realität in Summe eher niedriger sein werden. Nimmt man nun als Investitionssumme für den Windpark optimistisch niedrige 2 Millionen pro Windrad inkl. aller Infrastrukturmaßnahmen, in Summe also 6 Millionen an und weiterhin eine Verzinsung von 4% p.a. so errechnet sich schnell das im ersten Jahr etwa 240.000€ Zinsen zu zahlen sind.  Bei den o.g. Erträgen basierend auf unseren Messungen erwirtschaftet der Windpark also noch nicht einmal die notwendigen Zinszahlungen. Weder Pacht noch Wartung ist hier berücksichtigt.

Der viel beschworene „Bürgerwindpark“ bringt den Bürgern also eher keinen finanziellen Segen, sondern im schlimmsten Fall das Risiko das eingesetzte Kapital zu verlieren. Auch das also kein Grund den Windpark in Birkenau gut zu finden.

Die Gemeinde hofft ja auf Gewerbesteuererträge, Pachteinnahmen und evtl. sogar eine Gewinnbeteiligung. Das wäre ja im Sinne der Gemeinschaft eine gute Sache wenn die klamme Gemeindekasse so aufgebessert würde. In Anbetracht der Zahlen oben ist aber auch hier eher nichts zu erwarten. Wenn nicht einmal die Zinsen erwirtschaftet werden, so gibt es wohl auch keinen Gewinn aus dem Betrieb und somit betrachtet man nich die Abschreibungen sowieso auf lange Sicht auch keine Gewerbesteuer. Also auch das kein Grund den Windpark gut zu finden.

Abschließend sei nur nocheinmal darauf hingewiesen das wir alle über die EEG Umlage die o.g. Einspeisevergütung, d.h. jede kWh die der Betreiber verkaufen kann, mit etwa 4-5 ct subventionieren, d.h.  über unser aller Stromrechnungen bezahlen.

2 thoughts on “Stromertrag auf Basis unserer Messwerte

  1. Bernd Schuster

    Ich habe die Beiträge gerade gelesen und habe bemerkt,daß hier fast nur wirtschaftliche Argumente
    angeführt werden.
    In den letzten Ausgaben des Gemeindeblattes habe ich mit Interesse die Beiträge über den Geopark
    und die historischen Grenzwege belesen,die als einzigartig beschrieben werden.
    Was passiert eigentlich mit diesem prestigeträchtigen und sicher auch wirtschaftlich interessanten
    (Tourismus) Projekt,wenn eine Führung unter Rotoren stattfindet?
    Hätte der Geopark dann überhaupt noch eine Berechtigung?
    Gibt es die historischen Grenzwege dann überhaupt noch?
    Was sagen die Vertreter des Geoparks eigentlich dazu?
    Da auch die Gemeindevertreter ein reges Interesse daran bekunden (Teilnahme an Begehung)
    wäre es sicherlich sinnvoll,auch diese Aspekte bei der Diskussion mit zu berücksichtigen.

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  2. Sven Semel Beitragsautor

    Die gezeigten wirtschaftlichen Betrachtungen sollen auf Basis der harten und damit berechenbaren Fakten zeigen das dieses Vorhaben frei von Sinnhaftigkeit ist und stehen deshalb momentan im Vordergrund. Hier http://www.windparkbirkenau.de/?p=405 z.B. ist das Thema historischer Grenzweg behandelt. Die „weicheren“ Faktoren, d.h. die welche sich nicht in Euro und Cent direkt ausdrücken lassen werden in Zukunft aber auch noch weiter vertieft.

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