Reaktion auf das Statement der Energieinitiative Strom aus Birkenau für Birkenau in der BGR vom 17.04.2013

Den meisten Lesern hier und der BRG wird die ganzseitige „Information“ der „Energieinitiative Strom aus Birkenau für Birkenau“ (im Folgenden EI) in der BGR vom 17.04.2013 aufgefallen sein. Wir, die Mitglieder der „Initiative gegen Windkraft im Stenges“, werden dort direkt angesprochen – zunächst wegen unserer „eigentlich faszinierenden Mühe“, die wir uns geben, um die Rentabilität zu hinterfragen. Wäre die EI diesen Weg gegangen, bevor sie an die Stadtwerke Viernheim und das Planungsbüro Simon herangetreten ist, hätten wir heute in Birkenau ein Problem weniger!

Die Darstellung des Zieles der EI, „Jedes Projekt muss für den Inverstor rentabel sein“ und die Aussage „… sollten sich die Messergebnisse der BI bestätigen, werden die Windkraftanlagen nicht gebaut, …“ suggeriert, dass die EI irgendeine Handhabe hätte, das Projekt stoppen zu können. Das ist natürlich nicht der Fall! Die EI verkennt die Tatsache, dass die Anlagen – auch wenn nicht genügend Wind weht – für den Betreiber trotzdem wirtschaftlich sein könnten, da die Anlagen über die EEG-Umlage für den gelieferten Strom subventioniert werden und die Investitionen zum Teil von Bürgern (Bürgerwindpark) getragen werden und Verluste und Abschreibungen die Steuerlast drücken können, das Risiko für den Betreiber wird so auf Kosten der Allgemeinheit minimiert – und dafür sollen wir unsere Natur und Lebensqualität opfern? Der EI ist dringend angeraten, sich darüber zu informieren, wie die Finanzierung von WKA funktioniert.

Bestürzt haben wir die Aussagen der Energieinitiative zur Strompreiskalkulation gelesen. Weder die Vergütung über die Vermarktung gemäß EEG durch die Übertragungsnetzbetreiber noch die Direktvermarktung stabilisieren den Strompreis. Beidemale muss der Verbraucher über die EEG Umlage die Differenz zwischen dem Strompreis an der Börse und dem an den Anlagenbetreiber gezahlten Preis ausgleichen. Die Direktvermarktung funktioniert wie hier beschrieben, und hier  eine Übersicht der TU Berlin zum Thema für diejenigen die sich sachlich korrekt informieren möchten.

„Gibt es in Deutschland an irgendeiner Stelle ein vergleichbares Objekt, welches zeigt, dass Anleger mit falschen Windmessungen betrogen wurden?“ wird von der EI gefragt.

Ja gibt es, eine einfache Recherche bei Google ergibt konkrete Beispiele z.B in Freiburg wie hier oder hier zu lesen ist. Hier wird das Geschäftsmodell und hier die Probleme von Prokon, die bundesweit Gelder für WKA einwerben beschrieben und dort heißt es: „Doch Jahr für Jahr blieben bei Prokon die realen Erträge der Windparks weit hinter den Prognosen der Verkaufsprospekte zurück.“  Oder im Falle des Windparks Wennersdorf ist das Ergebnis noch katastrophaler und bleibt teilweise 50% unter der Prognose.

Ob es sich dabei juristisch um Betrug handelt, mögen Juristen und Gerichte beurteilen, fragwürdig ist es aber auf jeden Fall und wie man sieht gibt es sogar mehr als ein Beispiel.

Die EI fragt sich auch wie wir auf unseren Ergebnissen widersprechenden Messungen reagieren würden? Nun wie es sich gehört, wir würden uns mit der Messung und dem Unterschied zu unseren Messungen objektiv befassen. Aber wenn professionell (und das meint mit Mast, alles andere kann nur als Unterstützung dienen) gemessen wird, werden die Ergebnisse nicht wesentlich von unseren abweichen, warum sollten sie auch am gleichen Standort.

Weiter wird von der Energieinitiative geschrieben: „Aber wer NEIN zur Atomkraft sagt, muss JA zu Alternativen sagen.“ Ein gerne gewähltes Argument der Befürworter von WKA. Muss man tatsächlich, nur weil man gegen etwas ist, für etwas bestimmtes anderes sein?

Wir Birkenauer haben laut der EI die moralische Pflicht, unseren Beitrag zur Energiewende zu leisten und damit die Windräder gut zu finden: „Alles andere wäre reiner Egoismus und auch Verantwortungslosigkeit.“ Diese Aussage der EI hat mit der Realität und objektiven/wissenschaftlichen Tatsachen nichts zu tun, sondern es wird mit der Angst der Menschen vor Kernkraftwerken gespielt, um eine für die sichere Stromversorgung momentan völlig ungeeignete Technologie mit unnötiger Hektik voranzutreiben. Unserer Meinung nach ist dies in höchstem Maße verantwortungslos.

Die EI betont, dass es „hier mit Recht und Gesetz zugeht“ und dass wir dies „in eigentlich unzulässiger Weise“ infrage stelle. Dies tun wir gerade nicht – wir haben vielmehr darauf aufmerksam gemacht, dass die derzeit noch geltende Rechtslage problematisch ist, da eine Baugenehmigung trotz fehlender Windhöffigkeit und unseres Erachtens unzureichender Abstandsregelungen erteilt  werden würde. Hierbei verschweigt die EI, dass der Windpark nach Inkrafttreten des Landesentwicklungsplans in ein paar Monaten eben nicht mehr gebaut werden dürfte! Der Stenges ist dann Ausschlussgebiet. Das wissen alle an diesem Projekt Beteiligten, trotzdem – oder gerade deswegen – wird das Projekt vorangetrieben. Außerdem haben wir von Anfang an beanstandet, dass die Bürger erst informiert wurden, als die Grundstücke schon verpachtet waren. Warum wurde außerdem nicht zuerst geprüft, ob sich das Gelände eignet? Das, was wir herausgefunden haben, hätte auch die EI herausfinden können: Der Milan befindet sich im Stenges, der Windpark ist nicht mit dem von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Landschaftsplan vereinbar, die Zuwegung ist schwierig usw,

Zum Schluss wird wieder einmal die so beliebte „Alternativlosigkeit“ herangezogen. Die EI schreibt: „Möglicherweise gibt es in der Zukunft ja Technologien, welche uns ermöglichen, auf Windenergie zu verzichten. Derzeit geht das jedoch, wie wir wissen, noch nicht.“ Wir fragen: Ist das ein Grund, in Birkenau Windräder zu errichten? Bei den von uns gemessenen Windgeschwindigkeiten von 3,7 m/s könnten 6 bis 9 % des Birkenauer Stromverbrauchs abgedeckt werden – das ist weit, sehr weit entfernt von den von der EI prognostizierten 60 %. Hier von „Strom aus Birkenau für Birkenau“ zu sprechen, das ist unzulässig – und nicht, dass Bürger gegen eine Wahnsinnsidee aufbegehren!

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