Prokon Schieflage

Prokon ist sicher den meisten ein Begriff. Bisher ist die Firma vorallem durch flächendeckendes Marketing via Postwurfsendung aufgefallen. Die Vorteile Geld in erneuerbare Energien und im speziellen Windkraft zu investieren wurde in buntesten Farben beschrieben. Phantastische Renditen von bis zu 8% wurden versprochen, und bisher auch bezahlt. Zwischen den Zeilen wurde natürlich auch an das Gewissen der Anleger, an deren Geld man wollte, appeliert in eine moralisch überlegene Energieform zu investieren und damit seinen Teil zur Energiewende und damit zur Rettung des Planeten beizutragen. Die übliche Argumentation der Windkraftbefürworter. Vor allem wurde aber die Gier der Anleger bedient. In Zeiten in denen 2% Zinsen auf ein Tagesgeldkonto längst der Vergangenheit angehören waren die Renditeversprechen so verlockend das wohl 75000 Anleger knapp 1,4 Milliarden Euro investierten.

Am Freitag (10.1.2014) hat Prokon nun in einem Brief an ihre Anleger darauf hingewiesen das wenn weitere Anleger aussteigen man in finanzielle Schwierigkeiten kommen würde. Prokon geht sogar noch weiter und fordert die Anleger auf eine Erklärung abzugeben das Kapital nicht zurückzufordern, da man sonst gezwungen wäre Insolvenz anzumelden.

Das hat in der Presse ein großes Echo ausgelöst und offenbar auch einige Anleger dazu motiviert ihr Kapital abzuziehen, oder es zumindest zu versuchen. Mittlerweile hat sich Prokon für das vorgehen entschuldigt. Im gleichen Schreiben heißt es aber auch: „Tatsächlich können wir in der jetzigen Situation aber keinerlei Rückzahlungen oder Zinsauszahlungen vornehmen.“ begründet wird das damit das im Insolvenzfall jetzt getätigte Auszahlungen ohnehin zurückgefordert würden. D.h. aber auch das die Situation ernst ist. Prokon schreibt weiter dass um eine Insolvenz zu verhindern bis heute (20.1.2014) für 95% des Genussrechtskapitals eine Zusage vorliegen muss bis zum 31.10. nicht abgezogen zu werden und im Falle einer späteren Kündigung einer Rückzahlung innerhalb von 12 Monaten zugestimmt wird, die auch in Raten erfolgen kann.

Kurz gefasst heißt das, dass die Anleger frühestens im Herbst 2015 ihr Kapital vollständig zurückbekommen könnten – im besten Fall. Da es sich bei Genussrechten um nachrangige Forderungen handelt ist bei einer Insolvenz ein Totalverlust nicht unwahrscheinlich. Natürlich macht es in der gegebenen Situation keinen Sinn wenn alle versuchen nun an ihr Geld zu kommen, da dies die Firma definitiv in die Insolvenz treibt zumal momentan weder Kapital noch Zinsen ausgezahlt werden.

Sollte Prokon Insolvenz anmelden müssen, wird das wohl auf die Finanzierung von Windparks und anderen Erneuerbare Energien Projekte erhebliche Auswirkungen haben. Auch diverse Energiegenossenschaften benutzen für die Finanzierung Kredite ihre Genossenschaftsmitglieder die de facto Genussscheine darstellen. Hier werden zwar nicht so hohe Zinsen wie bei Prokon geboten, aber immer noch deutlich mehr als auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten.

Sofort wird ja bereits nach einer stärkeren Regulierung des sog. grauen Kapitalmarktes zu dem die Genusscheine gehören gerufen. Es wäre aber wesentlich wichtiger die wirklich nicht neue Erkenntnis, dass hohe Ertragsaussichten/Zinsen immer(!) mit hohem Risiko einhergehen in der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Kann man sich dieses Risiko leisten und einen Verlust verkraften spricht nichts dagegen zu investieren. Es muss nur jederzeit klar sein das der mögliche Gewinn erst einmal nur eine Gewinnchance ist, die erst dann endgültig eingetreten ist, wenn das Geld zzgl. des Gewinns (hier Zinsen) auf dem eigenen Konto zurück ist.

Das selbstgesteckte Ziel zur Insolvenzvermeidung, Zusagen über den Verbleib von 95% der Genussrechte per heute zu erhalten, wird wohl nicht erreicht werden. Gemäß der Angabe auf der Prokon Website sind es bisher eher weniger als 50%. Stellt sich die Frage ob das nun unmittelbar die Insolvenz von Prokon bedeutet?

 

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